
Von der Fahrgemeinschaft zur eigenen Loge
Erinnerungen und Gedanken einer Gründungsschwester
„Chaos und Ordnung – warum beschäftigte sich ein französischer Freund mit einem solchen Thema? Ich war davon total begeistert“, erzählt Sibylle, die einige Jahre in Frankreich lebte. „Die Antwort: Er war Freimaurer. Damit setzte sich ein freimaurerischer Funke irgendwo in meinen Hirnwindungen fest“, berichtet Sibylle. Sie ist eine der Gründungsschwestern der Darmstädter Freimaurerinnenloge Vier Elemente im Licht. Bis sie das wurde, sollten noch einige Jahre vergehen.
Sibylle zog von Frankreich zurück nach Darmstadt. Nun sollte der Funke erglühen. Sie ging auf die Suche nach freimaurerischen Aktivitäten und erhielt Namen und Telefonnummer der Freimaurerin Gerdi. „Das war im Jahr 1997“, präzisiert Sibylle. Gerdi wohnte rund 20 Kilometer östlich von Darmstadt. Einmal in der Woche packte sie vier weitere Frauen in ihr Auto, und gemeinsam fuhren sie nach Wiesbaden. Alle fünf waren Schwestern der Wiesbadener Freimaurerinnenloge Quelle zum Licht. Dies war von Darmstadt aus die nächstgelegene Loge. Mit Hin- und Rückfahrt brachte das jedes Mal 120 Kilometer auf den Tacho. Sibylle, die „Neue“, wurde Nummer 6 der Fahrgemeinschaft. Nach einer Zeit als Suchende nahm die Wiesbadener Loge sie als Freimaurer-Lehrling auf.
Ein Plan und ein Dank an die Brüder der Loge Johannes der Evangelist zur Eintracht
Drei Jahre lang einmal wöchentlich 120 Kilometer gemeinsame Autofahrt bieten Zeit für den Austausch von Gedanken. Ideen entwickeln sich, ein Plan entstand: Wir gründen eine Freimaurerinnenloge in Darmstadt! „Wir alle haben uns in Wiesbaden sehr wohl gefühlt“, betont Sibylle. Es sei eine tolle Schwesternschaft dort gewesen, herzlich, offen, liebenswert – aber die
Fahrt … „So bedauerlich es auch war, diese Loge zu verlassen, so begeistert arbeiteten wir an unserem eigenen, neuen Kreis von Freimaurerinnen“, berichtet sie und ergänzt: „Die Brüder der Darmstädter Loge Johannes der Evangelist zur Eintracht haben uns damals sehr unterstützt. Ihnen gilt großer Dank!“
Eine siebte Schwester entschied sich, am Darmstädter Projekt mitzuwirken. Damit war die erforderliche Anzahl an Schwestern erreicht, um eine Loge gründen zu können. Ihr Name, Vier Elemente im Licht, ist auch eine Reminiszenz an die hoch geschätzte Wiesbadener Mutterloge. Die Brüder, mehrere davon auch Ehemänner von Gründungsschwestern, boten den Frauen im Logenhaus in der Darmstädter Sandstraße den Raum, freimaurerisch zu arbeiten. Sie halfen bei der Ausstattung, schenkten Utensilien, einer von ihnen gestaltete das Bijou, ein anderer stellte weitere Requisiten kunstvoll selber her.
Die Lichteinbringung, die Gründungszeremonie einer Loge, fand im November 2001 statt. „Ich erinnere mich an die feierliche Atmosphäre, ich sehe die dicht gefüllten Sitzreihen vor mir und höre noch die Stimme der Großmeisterin“, schwärmt Sibylle. „Es war sehr beeindruckend.“
Ein Vierteljahrhundert – für eine Frauenloge in Deutschland schon ganz schön alt
Die fahrtüchtige, engagierte, begeisternde, liebenswerte, kluge und lebensfrohe Gerdi, wie ihre Schwestern sie beschreiben, wurde erste Stuhlmeisterin der Darmstädter Frauenloge mit der Matrikel-Nummer 12. Die zwölfte Frauenloge unter dem Dach der Frauengroßloge von Deutschland nahm ihre Arbeit auf. Nach drei Jahren wurde Sibylle für eine Amtszeit Stuhlmeisterin.
Die Loge wuchs schnell, zwischenzeitlich auf 33 Frauen. Corona, veränderte Lebensbedingungen, das Alter und der Lauf des Lebens ließen sie auch wieder kleiner werden. Heute zählt die Darmstädter Loge 25 Frauen, Tendenz steigend, darunter neben Sibylle noch zwei weitere Gründungsschwestern: Hannelore und Elsa. 2026 feiert die Loge Vier Elemente im Licht im Orient Darmstadt ihr 25-jähriges Stiftungsfest.
